More on Walter Radler By Josef Wöss
Nov 30, 2003, 12:17pm
Nach einigen kurzen Snippets zum Sport-Portrait Walter Radlers nun etwas mehr zu den seinen Rallyerfolgen auf Lancia. Radler hat sich die Mühe gemacht, uns seine Erfolge in der nachstehenden Tabelle systematisch aufzugliedern. Ergänzend ermöglichen uns spannende Fotos einen tieferen Einblick in diese Rallyezeit.
Dieser Helm!
Der Einstieg für Ralder war aus Lancia Appia. Man spürt im Gespräch mit Walter Radler den Rallyeenthusiasmus der beginnenden 60er. Er lobt die Eigenschaften der Appia, die Straßenlage, den langen Radstand, die Federung und die Qualität der Verarbeitung dieser kleinen Berlina. 1964 markierte einen Sprung:
Auf Flavia beim Flugplatzrennen Wien-Aspern
1964: Der Werkseinstieg auf Flavia und Fulvia
Wie der werte Leser bereits weiß, folgte der Appia eine Flavia HF, ein 1800er Coupé. Nach den Erfolgen Radlers auf seiner privaten Appia war er kein Unbekannter in Turin. So wurde dann der Kontakt mit Herrn Fiorio in der Sportabteilung Lancia hergestellt. Dieser sprach natürlich kein Wort deutsch, ein Schweizer Mitarbeiter der Direktionsabteilung übersetzte. Man einigte sich schnell: eine Flavia HF, für das Flugplatzrennen Aspern, und eine Fulvia HF Berlina für die komplette Saison 1964. Die Flavia konnte er sodann gleich mitnehmen, nachdem ihm ein Werksmechniker die Besonderheiten der Flavia HF am Fahrzeug erläuterte.
Und die Flavia nahm Walter Radler beim Flugplatzrennen dann richtig her, wie man auf dem Foto sieht. Walter Radler erinnert sich heute noch gerne an dieses Rennen, das eine Herausforderung sowohl an Fahrer, als auch an ihr Material stellte. Nach diesem Rennen retournierte er die Flavia ins Werk, wo sie ins Eck gestellt wurde (die weitere Verwendung des Coupés war fü ihn ungewiß). So faßte er eine Fulvia aus. Und hatte damit keine Chance gegen all die kleinen Mini Cooper, die in dieser Saison allen um die Ohren fuhren. Beinahe ein "Geschwür",die Fulvia Berlina, zu gewichtig, zu geringe Leistung. Wie seine Rallyekollegen in Italien damit glücklich wurden, kann sich Walter Radler auch heute nicht erklären. Denn die Kollegen traf er beim jährlichen Empfang für Rallyepiloten in Turin in der Villa Sassi. Diese von Lancia organisierten Empfänge waren äußerst spendabel angelegt, nur das Beste wurde in herrlichem Rahmen kredenzt. Die Armada an Lancia-Rallyefahrzeugen, Werksfahrzeuge und private Rennfahrzeuge, war vor der Villa Sassi im Park in Reih und Glied aufgestellt. Welch herrliches Bild!
Pianta's präparierte Flaminia für Walter Radler
1965: Erfolge auf Flaminia Coupé
Doch zurück zum eigentlichen Renngeschehen. 1965 setzte Radler ein Flaminia Coupé ein. Die Fotos belegen das beeindruckende Auftreten des Coupés. Erfolge wären damit sicherlich zahlreicher gewesen, hätte die Flaminia nur eine etwas höhere Bodenfreiheit aufgewiesen. So aber war Radler wegen einer defekten Ölwanne etwa bei der Semperitrallye ausgefallen. Für die Staatsmeisterschaft wars somit gelaufen. Dachte sich Walter Radler. Das Blatt hätte sich in der Staatsmeisterschaft noch einmal wenden können, mit einem Sieg bei der 3 Städte Rallye wär hier noch was zu holen gewesen, in seiner Klasse, in der insbesondere ein Alfa Romeo 2,6 Liter Coupé stark war. Doch die Flaminia war einfach zu niedrig.
Zu dieser 3 Städte Rallye erzählt Walter Radler gerne noch eine kleine Anekdote, auf die Frage nach der Bereifung seiner Fahrzeuge: Mitte der 60er kamen Spikes gerade richtig in Mode, das komplette Denzel Team (700er BMW, Volvo, und auch Dr. Schrimpl auf Skoda) fuhr die 3 Städte Rallye auf Spikes, war damit auch ganz gut unterwegs. Jedoch nur bis zur Sonderprüfung im Bärenkopf im Waldviertel. Hier nämlich wies die Schneefahrbahn zwei Spurrinnen auf, in die gerade ein Auto reinpaßte, die Kurven waren von Spuren gezeichnet, die auf zahlreiche Ausritte hinwiesen. Darunter das komplette Denzel-Team, das sich hier elegant verabschiedete. Alle auf Spikes.
Walter Radler hingegen fuhr nur Sommerreifen, denn irgendwie kam man schon drüber. Irgendwie gings immer, was natürlich aus heutiger Perspektive von ungemeinen fahrerischem Können zeigt. Können, das man sich heute nur mehr schwer aneignen kann. Zumindest ist dafür eine Appia oder Flavia heute zu kostbar.
Werks-Fulvia-Berlina: Due Carburatori!
1966: Der Ausklang einer idyllischen Rallyezeit
1966 war Walter Radler noch mit seinem privaten Fulvia Coupé auf den Rallyepisten zu sehen, doch zu Ende der 60er, als das Wettrüsten der Werksteams richtig los ging, zog er sich von den Veranstaltungen zurück. Schließlich begann er ja in einer Zeit, den beginnenden 60ern, in denen neben dem fahrerischen Können vor allem Eigeninitiative, Begeisterung, und manchmal ölige Hände zählten. In dieser geradezu idyllischen Rallyeepoche hatte Walter Radler seine größten Erfolge.
------------
Chronologie: Walter Radler auf Lancia
1961: Lancia Appia III. Serie gekauft
* 10/61: Enzian-Wertungsfahrt bis 1300 ccm - 2. Platz
1962: Appia
* 2/62: Preparatione bei Nardi (ca. S 4.000,--)
* 3/62: Totalschaden "Technisches Museum" (siehe Clubinfo 2/95)
* 5/62: Tauernringfahrt - Klassensieg
* Semperit Rallye - Klassensieg
* Alpenfahrt - Klassensieg
* Badner Herbstwertung - 2. Platz (bis 1300 ccm, 1. Alfa)
* Weinviertler Wertungsfahrt - 2. Platz
* Staatsmeister 1962
* Preparatione bei Nardi (ca. S 15.000,--)
1963: Appia
* Dreistädte-Rallye München-Wien-Budapest - Tourenwagen Gesamtsieg
* Tauernringfahrt - 2. Platz
* Voralpenfahrt - Klassensieg
* Semperit Rallye - Klassensieg
* Staatsmeister 1963
1964: Flavia - Fulvia
* Internat. Flugplatzrennen Aspern 1 Std. Rennen - 2. Platz Tourenwagen bis 2000 ccm (Flavia 1800)
* Dreistädte-Rallye München-Wien-Budapest - 3. Platz (hinter Cooper S (Fulvia Limousine))
* Martha Goldpokal 2. Platz
* Semperit Rallye - Motorschaden (Auto am Seil retour nach Turin)