1933: "Der neue Lancia Augusta" By Archiv
Oct 17, 2003, 4:09pm
Ein Testbericht der österreichischen Touring Zeitung, Mai 1933:
Dem Zuge der Zeit folgend, hat sich nunmehr auch die bekannte italienische Automobilfabrik Lancia & Co. in Turin entschlossen, einen mit allen Errungenschaften neuzeitlicher Technik ausgestatteten Kleinwagen auf den Markt zu bringen. Sie nennt diese Type Augusta, und hatte man Gelegenheit, eines der ersten Modelle desselben bereits auf dem Pariser Salon zu bewundern.
Elegante Linie für die Mittelklasse
Inzwischen hat diese Type auch in Österreich Eingang gefunden, und um unserer publizistischen Pflicht gegenüber unseren Lesern Genüge zu leisten, geben wir nachstehend kurz eine nähere Beschreibung dieser sensationellen Type.
Kompakter V(R)4-Motor
Der Augusta ist ein viersitziger, viertüriger geräumiger Innenlenker in Ganzstahlkarosserie, der mit einem 1,2-l-Vierzylinder-Schwebemotor von 5/35 PS Leistung ausgestattet ist. Der Motor ist vierfach patentiert gelagert und ruht auf Silent-Gummiblocks in Kombination mit Blattfedern und Stossdämpfern, wodurch jede Vibrationsübertragung auf den Wagen vermieden wird.
Selbsttragendes Chassis
Das Chassis hat Diagonalversteifung und der Rahmen ist mit der Karosserie gänzlich verschweißt, was dem Wagen eine außerordentliche Festigkeit verleiht und seine Lebensdauer beträchtlich erhöht. Besonders bemerkenswert ist der Umstand, daß durch die Unterdrückung der Tür-Mittelstrebe auflerordentlich viel Platz gewonnen und der Einstieg überall ungemein bequem gestaltet wurde, ferner ein in der Wagenkarosserie eingebauter großer Heckkoffer, dessen sperrbarer Deckel beim Öffnen nicht einfach nach abwärts klappt, sondern durch kräftige Zugfedern in waagrechter Lage gehalten wird.
In dem Heckkoffer finden nebst dem regulär dort untergebrachten Werkzeug noch zwei grofle Reisekoffer Platz, in denen man seine komplette Garderobe bei Bedarf leicht unterbringen kann.
Selbstverständlich hat auch diese Lancia-Type die patentierte, voneinander unabhängige Aufhängung der Vorderräder in Schwingachse, wodurch absolut stoßfreies und auch auf großen Distanzen nicht ermüdendes Fahren gewährleistet wird.
Vierganggetriebe und Freilauf vermitteln dem Fahrer außer besonderer Bequemlichkeit durch Entfall des Kuppeln beim Fahren im Stadtverkehr auch eine ansehnliche Ersparnis im Benzinverbrauch, der von der Fabrik mit 9/10 l pro 100 km angegeben wird. Der Freilaufhebel ist so angeordnet, dafl er den Fahrer in keiner Weise behindert und am Armaturenbrett befestigt. Einen weiteren Vorteil für den Selbstfahrer bildet die Schmierung durch Öldruckpumpe, ferner Öldruck-Vierradbremsen und durch Thermostat geregelte Kühlerjalousie.
Eine andere praktische Neuerung dieses Wagens liegt darin, dass er sämtliche Füllstutzen für Benzin, Öl und Wasser unter der Motorhaube angeordnet hat und diese daher leicht vor unbefugtem Eingriff zu schützen sind.
Das ungemein geringe Gewicht des Fahrzeugs von bloß 800 kg gestattet die Einhaltung einer ungemein großen Reisegeschwindigkeit von über 120 Stundenkilometern, rasantes Anzugsvermögen und unvergleichliche Bergfreudigkeit. Die Straßenlage dieses überaus schnellen Fahrzeuges ist eine hervorragende und man verspürt auch bei höheren Geschwindigkeiten in den Kurven keinerlei bemerkenswerte seitliche Schwingungen.
Die gewählte Spurweite gestattet die Benützung auch der schmalsten Verkehrswege, was besonders in der Provinz von Wert ist.
Komplette Armaturen der Augusta
Die Armaturenbrettausrüstung ist reichhaltig und umfasst folgende Instrumente: Kilometerzähler mit Tachometer, elektrische Benzinuhr, 8-Tage-Uhr, Benzinabstellhahn umstellbar für Reservebehälter, Düsenverstellung und Gemischregulierung sowie Betätigung der rückwärts am Chassisoberbau seitlich angebrachten Winker mit Kontrollsignal auf dem Armaturenbrett, Betätigung der Positionslampen und des Decklichtes sowie der Armaturenbeleuchtung.
Die elektrische Einrichtung besteht aus außerordentlich wirksamen Bosch-Scheinwerfern, die Zündung erfolgt durch unter der Motorhaube zweckmäßig angeordnete 6-Volt-Batterie und Spule, das Dynamo hat gleich bleibende Spannung, sämtliche Lampen haben doppelte Stromzuführungen und sind einzeln abgesichert. Der Sicherungskasten ist nach Öffnen der Motorhaube sofort freiliegend und bequem handlich zugänglich.
Die einflächige verstellbare Windschutzscheibe hat doppelte elektrische Scheibenwischer und Rückspiegel innerhalb des Wagens, der durchaus mit Triplex verglast ist.
Augusta Fahrzeughalter, 1939, ein Auszug aus der Liste der österreichischen Lancia-Repräsentanz:
Kommerzialrat Johann Wild, Wien VIII
Fr. Leonie Lenz, Wald im Pinzgau
Direktor Bˆsel der K. Kuhlemann AG, Wien X
Hauptmann Godwin von Brumovski, Wien VII
Dr. Camillo Hermann, Wien IX
Graf Kesselstatt, Horn bei Loosdorf
Legat. Sekretär Graf del Bono, Ital. Gesandtschaft, Wien III
Konsul Cav. Umberto Manfredini, Ital. Gesandtschaft, Wien III
Juan de las Barcenas, Delegation des Völkerbundes, Wien I
Cafetier Hugo Winter, Wien IX
Direktor Rosemann der Victoria, Wien I